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Das Palästinensische Haus

Das Zentrum Al-Bait Al-Filastini wurde von früheren Aktivist*innen der friedlichen Revolution gegründet, die in den stark zerstörten Stadtteil Yarmouk im Süden von Damaskus zurückgekehrt sind. Sie wollen die Fähigkeiten der Bewohner*innen stärken, ihr Leben selbst zu gestalten – durch Bildungsangebote, Selbstorganisation und Einkommensquellen für Frauen.

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Die Idee für die Gründung des zivilen Zentrums Al-Bait Al-Filastini („Das Palästinensische Haus“) entstand unmittelbar nach dem Sturz des Assad-Regimes. Als die Gründer*innen nach Yarmouk zurückkehrten, waren sie zutiefst schockiert über das Ausmaß der Zerstörung.

Während des Kriegs wurde das Viertel zwei Jahre lang von Assads Truppen belagert, danach übernahm von 2015 bis 2018 dieTerrorgruppe IS (Islamischer Staat) weitgehend die Kontrolle. Nachdem Assads Truppen 2018 den IS mit Luftangriffen und Artilleriebeschuss aus Yarmouk vertrieben hatten, war Yarmouk eine Geisterstadt. 72 Prozent der Häuser sind zerstört oder schwer beschädigt. Vor dem Krieg lebte hier eine Million Menschen, davon 200.000 palästinensische Flüchtlinge. Bislang sind erst 80.000 Menschen nach Yarmouk zurückgekehrt.

Von Anfang an war die Vision der Gründer*innen, Al-Bait Al-Filastini als eine unabhängige Initiative für alle Bevölkerungsgruppen zu etablieren. Al-Bait Al-Filastini will dazu beitragen, dass zurückgekehrte Familien ihr Leben wiederaufbauen können und Familien, die noch nicht zurückgekehrt sind, dazu ermutigt werden. Das Ziel ist, dass Yarmouk seine einstige Bedeutung als Zentrum der palästinensischen Gemeinschaft zurückgewinnt.

Vor allem will Al-Bait Al-Filastini die Fähigkeiten der Menschen stärken, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. 

Zum Beispiel unterstützt die Initiative die Existenzgründung von Frauen: Sieben Frauen aus Yarmouk haben eine Backstube aufgebaut. Der Anfang war bescheiden: alle Backutensilien waren geliehen, doch nach ersten Verkaufserfolgen konnten sie eine feste Backstube einrichten. Die Frauen stellen Gebäck, Kuchen und Croissants her. Die Backstube haben sie „Maqroutet Sitti“ genannt, arabisch für: „Dattelgebäck meiner Großmutter“. Das Grießgebäck mit Dattelfüllung ist eine traditionelle palästinensische Süßigkeit und gehört zum kulinarischen Erbe Palästinas. Für die Frauen, die Angehörige von gewaltsam Verschwundenen oder ehemaligen inhaftierten Oppositionellen sind, ist der Verkauf des Gebäcks eine wichtige Einkommensquelle. Ihr großer Wunsch ist, in einem nächsten Schritt einen eigenen Laden zu eröffnen.  


Für mich ist die Mitarbeit in der Backstube ein Schritt, wieder Leben in meinen Alltag zu bringen. Die gemeinsame Arbeit in der Küche hat dazu beigetragen, einen Teil der sozialen Atmosphäre wiederherzustellen, die wir während der Kriegsjahre verloren hatten – das Gefühl der Zusammenarbeit, der Zuneigung, der Vertrautheit und des Vertrauens, das durch das gemeinsame Arbeiten entsteht.

— Alaa Moqari von der Backstube Maqroutet Sitti


Was Al-Bait Al-Filastini bewirkt – ein Überblick:

  • Bildung: Im „Bildungshaus“ bieten die Aktivist*innen Grundkurse in Arabisch, Englisch, Mathematik sowie Kopfrechnen für Kinder bis zum Alter von 12 Jahren an. Sie organisieren auch Zeichen- und Schachkurse. Im sogenannten Sport-Haus wird u.a. Fußballtraining für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene angeboten.

  • Dialog: Sie laden zum offenen Dialog ein, damit Bewohner*innen ihre Bedürfnisse äußern können und gemeinsam Lösungsvorschläge für den Wiederaufbau der Infrastruktur im Viertel erarbeiten.  

  • Wiederaufbau: Al-Bait Al-Filastini hat zwei Brunnen gebohrt. So können Familien in den Teilen des Viertels, die noch vom Wassernetz abgeschnitten sind, mit Trinkwasser versorgt werden. Sie haben große freiwillige Aufräumaktionen organisiert, insbesondere die „Fazaa“-Kampagne. An einem einzigen Tag dieser Kampagne sammelten Freiwillige etwa 13,5 Tonnen Müll ein.

  • Gesundheit: Sie führen Hausbesuche bei älteren Menschen, Menschen mit eingeschränkter Mobilität und Patient*innen durch, die keinen einfachen Zugang zur medizinischen Versorgung haben. Sie stellen nach Möglichkeit kostenlos Medikamente zur Verfügung und koordinieren die Überweisung an Krankenhäuser in Fällen, die eine weitere Behandlung erfordern.

  • Gerechtigkeit: Al-Bait Al-Filastini engagiert sich dafür, das Schicksal vermisster Personen aufzuklären und fordert Gerechtigkeit für ehemalige Inhaftierte ein.  

  • Die Bewahrung des kollektiven Gedächtnisses von Yarmouk ist ein weiterer wichtiger Aspekt der Arbeit von Al-Bait Al-Filastini. Sie haben mehrere Ausstellungen organisiert und im Lager ein großes Wandbild mit dem Titel „Chronologie von Yarmouk“ erstellt, das die Geschichte Yarmouks vom Beginn der syrischen Revolution bis zum Sturz des Regimes dokumentiert.

Zu den Zukunftsplänen gehört die Einrichtung eines dauerhaften Zentrums für Al-Bait Al-Filastini als feste Anlaufstelle für die Angebote und Aktivitäten. 


Unterstützen Sie die Initiative Al-Bait Al-Filastini und die Backstube „Maqroutet Sitti“ und stärken Sie damit gesellschaftlichen Wiederaufbau, Bildung und die Existenzgründung von Frauen.

Weitere Projekte: