Aufgrund der gezielten Bombardierung von Zivilist*innen gibt es in Syrien zahlreiche Kriegsverletzte mit bleibenden Behinderungen. Die Organisation Dhaoui Alhumam (auf Deutsch: „Menschen mit Errungenschaften“) wurde 2019 in Azaz aus der Erfahrung heraus gegründet, dass Menschen mit Behinderungen nicht nur mit Diskriminierung, sondern auch mit systematischem Ausschluss durch fehlende Barrierefreiheit konfrontiert sind.
Gründer ist Jihad, der 2012 mit 17 Jahren an einer friedlichen Demonstration gegen das Assad-Regime teilnahm, dabei schwer verletzt wurde und seither halbseitig gelähmt ist. Seine Behinderung wurde für ihn zum Antrieb, um gemeinsam mit anderen für die gesellschaftliche, ökonomische, politische und rechtliche Inklusion von Menschen mit Behinderungen einzutreten.
In Workshops werden Betroffene darin geschult, ihre Sichtweisen klar zu kommunizieren und Gesprächsrunden mit einer Zielgruppe ihrer Wahl – Politiker*innen, Lehrer*innen oder Vertreter*innen von NGOs – selbst durchzuführen. Dafür hat die Organisation ein barrierefreies Zentrum geschaffen, das als Begegnungsort für Menschen mit und ohne Behinderung dient.
Neben Dialogformaten bietet das Zentrum auch ganz praktische Unterstützung, etwa durch therapeutische Angebote (Logopädie, Ergo- und Physiotherapie) für Kinder mit Behinderung. Darüber hinaus hat sich die Organisation erfolgreich dafür eingesetzt, dass an einer syrischen Universität erstmals ein Studiengang für Pädagogik mit Schwerpunkt Behinderung eingerichtet wurde – ein Meilenstein, aus dem inzwischen die ersten Absolvent*innen hervorgegangen sind, die heute selbst in der Organisation mitarbeiten.
Wir träumen davon, dass es eine Institution gibt, die sich um die Belange aller Menschen kümmert, die benachteiligt werden: Alleinernährer*innen, Alte, Alleinstehende, Menschen, die nicht arbeiten können oder keine Arbeit finden, Binnenvertriebene. Unsere Arbeit ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.
— Mitglied von Dhaoui Alhumam
Was Dhaoui Alhumam bewirkt im Überblick:
- Schulungen und Kommunikationstrainings für Menschen mit Behinderungen, um Selbstbewusstsein zu stärken und Diskriminierungen entgegenzutreten
- Unterstützung dabei, eigene Gesprächs- und Dialogrunden mit lokalen Entscheidungsträger*innen (Politik, Zivilgesellschaft, Bildung) zu organisieren
- Aufbau eines barrierefreien Zentrums als Begegnungsraum für Menschen mit und ohne Behinderung
- Aufbau eines barrierefreien Zentrums mit Angeboten in Logopädie, Ergo- und Physiotherapie für Kinder mit Behinderung sowie Beratung von Eltern zur Förderung der Teilhabe ihrer Kinder
- Stärkung von Selbstorganisation und gesellschaftlicher Teilhabe marginalisierter Gruppen
- Förderung von Dialog und gegenseitigem Verständnis und damit Abbau von Konfliktursachen und Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts
