Seit mittlerweile fünf Monaten leisten unsere Partner*innen im schwer von den Erdbeben zerstörten Nordsyrien Nothilfe – und ein Ende der Arbeit ist nicht in Sicht.

Erdbebenhilfe

Die schweren Erdbeben Anfang Februar 2023 haben Tausende Menschen das Leben gekostet und auch langfristig die Lebensbedingungen der Menschen in Nordsyrien massiv erschwert. Das hat auch Auswirkungen auf die Arbeit unserer Partner*innen, die sofort Nothilfe geleistet haben und immer noch leisten. Eine Übersicht.

SPENDEN
Seit mittlerweile fünf Monaten leisten unsere Partner*innen im schwer von den Erdbeben zerstörten Nordsyrien Nothilfe – und ein Ende der Arbeit ist nicht in Sicht.

NOTHILFE-PROJEKTE LANGJÄHRIGER PARTNER*INNEN

Die Erdbeben haben besonders die Regionen in Syrien getroffen, in der unsere Partner*innen seit Jahren arbeiten. Sie waren nicht nur selbst von der Katastrophe betroffen, auch hat sich ihre Arbeit durch die Erdbeben massiv verändert. Denn: Neben ihren eigentlichen Projekten, haben sie sofort Nothilfe geleistet und werden das auch langfristig beibehalten (müssen). Außerdem haben sich einige Projekte für den Wiederaufbau etabliert.

Hooz-Zentrum – al-Bab & Azaz

ALLGEMEIN

Nach den Erdbeben haben Hooz sofort mit Nothilfe begonnen und zwar nicht nur in Azaz und al-Bab, sondern auch in der benachbarten Stadt Jenderis, weil diese am schlimmsten betroffen und kaum zugänglich war. Dort konzentrierten sie ihre Unterstützung auf besonders marginalisierte Gruppen, wie die kurdischen Bewohner*innen der Stadt. Sie organisieren Medikamente und leisten medizinische Einzelfallhilfe. Gegen die entstehenden neuen Zeltstädte arbeiten sie derzeit an, indem sie tatkräftig beim Wiederaufbau helfen.

EINSATZORTE

Umland von Azzaz, al-Bab und Afrin – dort besonderer Fokus auf Jenderis

Die Partner*innen vom Hooz-Zentrum versuchen durch einen schnellen Wiederaufbau der Häuser dem Entstehen von neuen Zeltstädten entgegenzuwirken.

PHASE 1

Soforthilfe: Februar – Ende Mai

  • Beteiligung an Bergungsarbeiten 
  • Verteilungen von Lebensmitteln und Medikamenten, insbesondere auch in schwer zugänglichen Vierteln von Jenderis, in denen sich hauptsächlich noch kurdische Bewohner*innen aufgehalten haben. 
  • Beschaffung von Zelten Zeltinventar, wie Decken, Matratzen, Teppiche, Kochutensilien, Solarzellen für Strom, Trennwände
  • Anlegung von rudimentären Sanitäranlagen in Notcamps
  • Cash-Assistance und Einzelfallhilfe: Übernahme der Miete für Unterkünfte und finanzielle Unterstützung bei längerer medizinischer Betreuung, insbesondere bei vulnerablen Personen oder bei Härtefälle
  • Erstellung einer Nothilfe-Karte für Betroffene, damit diese schnell Hilfe bekommen, weil sie wissen, an wen sie sich wenden müssen

PHASE 2

Langfristige Nothilfe: Juni – bis Mitte 2024 (12 Monate)

  • Verteilungen von Lebensmitteln und Hygieneartikeln
  • Psychosoziale Unterstützung für Betroffene 
  • Wiederaufbau: Instandsetzung von leicht und mittel beschädigten (d. h. nicht die Statik der Häuser betreffende) Häusern in Afrin. Dafür wird eine Kommission einberufen, die jeweils aus Zentrums-Mitarbeitenden, lokalen Ingenieur*innen sowie einem/einer (kurdischen) Bewohner*in der betroffenen Viertel besteht. Das Ziel: Die Menschen sollen so schnell wie möglich aus den Notcamps und Zelten zurück in feste Wohnungen und Häuser.
Frauenzentrum Sawaedna – Ariha

ALLGEMEIN

Seit den Erdbeben leistet das Team von Sawaedna Nothilfe im Umland von Azaz und Afrin. Von Beginn an organisierten und verteilten sie große Mengen an Hilfsgüter an die Bedürftigen, darunter beispielsweise Decken und Brennstoffe, damit die plötzlich obdachlos gewordenen Menschen nicht erfrieren. Seit die Temperatur milder geworden ist, konzentriert sich das Team auf die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und Hygieneartikel – denn Katastrophen solchen Ausmaßes sind Nährboden für Krankheiten und Epidemien.

EINSATZORTE

Umland von Aleppo und Kanton Afrin

PHASE 1

Soforthilfe: Februar – Mai

  • An Familien, die durch das Erdbeben ihre Bleibe verloren haben und in provisorischen Notcamps unterkommen sind, wurden Nahrungsmittel, Hygieneartikel (Seife, Shampoo, Zahnputzmittel, Wasch- und Spülmittel, Handtücher, Damenbinden, etc.), Babymilch und Windeln verteilt.
  • Verteilung von Matratzen und Decken sowie Heiz- und Kochmaterial wie Brennholz, Diesel und Gas.

PHASE 2

Juli – Februar 2024

  • Langfristige Versorgung von knapp 1.000 Familien (im Durchschnitt besteht eine Familie aus 5 Mitgliedern) mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Reinigungsmitteln.
  • Psychosozialer Support für insgesamt 350 Kinder in zwei Runden über jeweils drei Monate.
Change Makers – Salqin

ALLGEMEIN

Weil das Team der Change Makers ein rein weibliches ist, können sie leichter das Vertrauen von vom Erdbeben betroffenen Frauen gewinnen und ihre spezifischen Bedarfe abfragen. Denn oft sind es Hygieneartikel, die ihnen fehlen und die nicht zum Inhalt der Hilfspakete anderer Hilfs-organisationen zählen. Seit Anfang Februar leisten sie diese feministische Nothilfe in den Not-Camps und bieten den Frauen auch psychosozialen Support an.

EINSATZORTE

Salqin und Umland sowie im benachbarten, schwer zerstörten Harim (beides Idlib)

Unsere Partner*innen von “Makers of Change” beim Verteilen von Lebensmitteln und Trinkwasser an Betroffene des Erdbebens

PHASE 1

Soforthilfe: Februar – März

  • Verteilungen von Lebensmittel sowie Heiz- und Kochmaterialien
  • Beschaffung von Zeltinventar, wie Decken, Trennwände und Solarzellen mit Batterien für Strom
  • Sicherung der Wasserversorgung über die Einrichtung von Wassertanks für gesamte Camps
  • Verteilung von Hygieneartikeln und Kleidung an Betroffene in Notcamps mit Fokus auf die speziellen Bedarfe von Frauen und Kindern

PHASE 2

März – April

  • Im Fastenmonat Ramadan kochten sie in der „Ramadan-Kitchen“ täglich für Hunderte Menschen in den neu entstandenen Zelt-Camps, damit die Familien, denen nichts geblieben ist, wenigstens ihren Fastenmonat begehen konnten und nach dem Fastenbrechen etwas zu Essen sicher hatten
  • Verteilung von Kleidung für die Kinder in den Notcamps

PHASE 3

Langfristige Nothilfe: Mai – bis Mitte 2024

  • Verteilung von Gütern des täglichen Bedarfs, wie Lebensmittel, Windeln für Kinder und Ältere, Hygieneartikel und Reinigungsmittel in den Notcamps
  • Verteilung von Kleidung für Frauen und Kinder sowie Heiz- und Kochmaterialien in den Notcamps
  • Verteilung von Zeltinventar, wie Decken, Matratzen, Solarzellen, und je nach Jahreszeit Ventilatoren oder Heizungen in Notcamps
  • Psychosozialer Support für Kinder und Frauen in Notcamps
Women Support & Empowerment Center – Idlib

ALLGEMEIN

Die Frauen vom Frauenzentrum Idlib kennen die Region, aber auch die Community der Binnenvertriebenen gut. Dank ihres großen Netzwerks konnten sie nach den Erdbeben schnell handeln. Neben der Verteilung von Hygieneprodukten und Lebensmitteln helfen sie nun Frauen und Kindern in einem Camp dabei ihre traumatischen Erlebnisse im Zuge der Erdbeben zu verarbeiten. Außerdem kooperiert das Frauenzentrum mit Krankenhäusern in Idlib, um Krebspatient*innen eine Behandlung zu ermöglichen, denen nach den Erdbeben die Möglichkeit, ihre teilweise lebensnotwendige Therapie in der Türkei fortzuführen, von türkischen Behörden verwehrt wurden.

EINSATZORTE

Camps im Umland von Idlib-Stadt sowie im schwerer vom Erdbeben betroffenen nordwestlichen Teil von Idlib, beispielsweise Salqin, Harim, etc.

Unsere Partnerin Huda unterstützt Frauen und Kinder in den Camps in der Aufarbeitung ihres erlebten Grauens.

Medizinische Hilfe: April – Mai bzw. Mitte 2024

  • Finanzierung der Medikamente für Krebspatient*innen, die aufgrund geschlossener Grenzen nach den Erdbeben nicht mehr zur Behandlung in die Türkei konnten. Die Unterstützung lief und läuft in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Idlib, mit dem das Frauenzentrum immer wieder kooperiert, beispielsweise im Rahmen der COVID19- und Cholera-Aufklärungskampagnen.
    UPDATE: Die Einreise in die Türkei zu Behandlungszwecken wird langsam wieder möglich. Unterstützt werden aber weiterhin jene Krebspatient*innen, die nach wie vor kein Behandlungsvisum erhalten, sowie weitere chronisch erkrankte Härtefälle.

Hygienekampagne & psychosozialer Support: Mai – Mitte 2024

  • In ca. 25 IDP-Camps in Idlib werden an insgesamt 4.000 Familien Hygienekits verteilt. Außerdem führt das Zentrum in diesen Camps Aufklärungsarbeit über Cholera und andere Krankheiten durch, die sich in den massiv überfüllten Camps schnell verbreiten. Unterstützt werden sowohl neu angekommene Familien, die ihr Zuhause durch die Erdbeben verloren haben, als auch die Familien, die schon länger in diesen Camps leben. Dieser Ansatz ist dem Zentrum für den sozialen Frieden vor Ort sehr wichtig: Im Nachgang des Erdbebens konzentrieren sich derzeit viele humanitäre Hilfen auf die Opfer des Erdbebens. Aber auch diejenigen, die nicht unmittelbar ihr Zuhause verloren haben, sind vom Erdbeben betroffen. Schon vor den Beben gab es für die Bewohner*innen der IDP-Camps zu wenig humanitäre Unterstützung, kaum Arbeitsplätze, keine Bildungsmöglichkeiten für Kinder. Diese prekäre Situation hat sich weiter verschärft. 
  • Leistung von akuter psychosozialer Unterstützung für Betroffene des Erdbebens während der Verteilungen, die mit den Themen Tod, Verlust, Armut und neue Lebenssituation im Camp umzugehen haben.
Ziviles Zentrum – Al-Atareb

ALLGEMEIN

Direkt nach den Erdbeben sicherten die Aktivist*innen des Zivilen Zentrums die Grundversorgung der Überlebenden, indem sie Trinkwasser, Lebensmittel, Decken, Matratzen, Windeln, Babynahrung und Hygieneartikel verteilten. Außerdem koordinierten sie mit Krankenpfleger*innen vor Ort medizinische Hilfe und organisierten Schmerzmittel, Medikamente und weiteres medizinisches Verbrauchsmaterial und -geräte sowie Not-Unterkünfte.

EINSATZORT

Atareb

Plakat links: “Das Winseln [der Verschütteten] hat aufgehört. Danke für nichts, UN!“, Plakat rechts: “Die UN ist diejenige, die Nachhilfe zu Gerechtigkeit braucht!” – Atareb, 12.2.2023.
Während unsere Partner*innen in Nordsyrien vergeblich auf internationale Hilfe warteten, protestierten sie gegen die Tatenlosigkeit der UN.

Soforthilfe Februar – Mai

  • Medizinische Versorgung: Ausgabe von Medikamenten an durch das Erdbeben Verwundete und Koordination freiwilliger Krankenpfleger*innen zur Versorgung der Verletzten
  • Verteilung von “Würde-Paketen” (inkl. Hygieneartikel, Binden, Unterwäsche) für Frauen in Notaufnahmeeinrichtungen und in Zelten in Atareb
  • Verteilung von Kleidung für Frauen
  • Verteilung von Lebensmittelpaketen und Babymilch an Familien von Inhaftierten und andere Familien in sehr prekären Umständen in Atareb
  • Verteilung von Spielzeug an Kinder in Notunterkünften und -camps
  • Verteilung von Grundnahrungsmitteln wie Brot
  • Kampagne zur Aufladung aller elektronischen Geräte von Familien, deren Häuser vom Erdbeben zerstört/beschädigt wurden
  • Übernahme der Internetkosten für Frauen (Aktivist*innen)

Evaluation anstehender Needs (Zukunftsplanungen)

  1. Bau von Wohnungen für Familien, die durch das Erdbeben ihr Zuhause verloren haben. / Sicherung von vorübergehendem Wohnraum für sie. / Sicherung der Wohnungsmiete für einen bestimmten Zeitraum, bis die Krise überwunden werden kann.
  2. Konzentration auf psychosoziale Unterstützung von den Erdbeben Betroffener, um ihnen zu helfen, sich von dem Schock der Erdbebenkatastrophe zu erholen und die Krise zu überwinden, insbesondere den Verletzten.
  3. Ausbildung junger Menschen im Umgang mit Krisen und Katastrophen im Besonderen und in der Gemeindearbeit im Allgemeinen.
  4. Ausbildung junger Frauen für die Arbeit und Unterstützung der Bedürfnisse und Probleme von Frauen in Krisen im Besonderen und ihrer Bedürfnisse im Allgemeinen.
  5. Schulung ziviler Gruppen und Teams zur Bewältigung von Katastrophen und Gefahren durch die Entwicklung von speziellen Plänen.
  6. Überwachung des Zustands der vom Erdbeben Betroffenen mit Langzeit- oder chronischen Verletzungen und Betreuung ihrer Bedürfnisse.

NOTHILFE-PROJEKTE NEUER PARTNER*INNEN

Nach den Erdbeben gab es in Nordsyrien eine Welle an Solidarität und Hilfsbereitschaft. Daraus sind viele kleine Gruppen entstanden, die effektiv und schnell Hilfe leisten konnten. Wir unterstützen einige von ihnen als neue Partner*innen.

Dhouai al Himam – Azaz und Umland

Eigentlich treiben die Aktivist*innen gemeinsam mit Verbündeten die gesellschaftliche, ökonomische und politische Inklusion von Menschen mit Behinderungen voran. Im Kontext der Erdbeben konnten sich aber auch all jene auf Dhouai al Himam verlassen, die alles verloren hatten. Ob Lebensmittel, Medikamente, Decken, Zelte, Brennstoffe oder Matratzen, die Aktivistinnen organisierten und verteilten, was benötigt wurde.

Yalla Shabab – Jenderis und Umland

Die Stadt Jenderis wurde durch die Erdbeben massiv zerstört – viele Stadtteile waren lange kaum zugänglich, deshalb haben die Aktivist*innen von Yalla Shabab Versorgungsgüter mit Mopeds und streckenweise zu Fuß zu den Betroffenen gebracht, die anders keinerlei Hilfe bekommen konnten. Jetzt helfen sie tatkräftig bei der Instandsetzung von Häusern und planen psychosozialen Support.

Die Stadt Jenderis gehört zu den am stärksten zerstörten Städten in ganz Syrien.
Kay La Yumha Al-Athar – Afrin und Umland

Die Aktivist*innen setzen sich seit vielen Jahren für Frauenrechte ein. Im Nachgang des Erdbebens sind sie nun aktiv in einem Projekt, das psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung umfasst, um mentale Langzeitfolgen bei Betroffenen abzumildern.


Fragen rund um Spenden beantworten wir in unserem FAQ.

Stand Juni 2023 hat Adopt a Revolution ca. eine Million Euro nach Nordsyrien geschickt.

Dank Ihrer Spendenbereitschaft konnten unsere Partner*innen im letzten Jahr circa 70.000 Menschen versorgen. Damit wir auch langfristige Unterstützung für die Betroffenen der Erdbeben in Nordsyrien gewährleisten können, kommt es weiterhin auf Sie an!

Ihre Spende zählt!

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