Inhalt:
Editorial
Projekte & Partner*innen
Adopt a Revolution in Zahlen
Stimmen unserer Partner*innen
Über Adopt a Revolution
Ausblick
EDITORIAL
AUS DEM SCHATTEN
Wenn Sie die nächste Person, die Sie heute treffen, fragen: »Was passiert gerade in Syrien?« Welche Antwort erwarten Sie? In den meisten Fällen wahrscheinlich ein entschuldigendes Achselzucken. Kein Wunder. Denn die Kriegstreiber in Syrien nutzen das aktuelle Informationsblackout für ihre Zwecke aus.
Im Schatten der israelischen Offensive auf Gaza eskalieren das Assad-Regime, die Türkei und der sogenannte Islamische Staat die Gewalt in Syrien erneut. Keine Region ist sicher. Die UN verkündete, dass die Kämpfe seit dem vergangenen Oktober so intensiv geführt werden wie seit vier Jahren nicht mehr. »Syrien braucht dringend einen Waffenstillstand!«, forderte deshalb Paulo Pinheiro, Vorsitzender der Syrien-Untersuchungskommission. Doch sein Appell verhallte fast ungehört.
Stell dir vor, es ist Krieg, aber niemand kriegt es mit. So unsichtbar fühlen sich die Menschen in der Region Idlib, die größtenteils unter der Kontrolle des radikal-islamistischen Milizen-Bündnisses Hai’at Tahrir al-Sham (HTS) steht. Immer wieder griffen das Assad-Regime und sein Verbündeter Russland ihre Stellungen an. Doch im Herbst 2023 erreichte der Gewaltausbruch ein neues Ausmaß und traf vor allem Zivilist*innen. Auch unsere Partnerinnen vom »Women Support and Empowerment Center« mussten vor dem Bombenhagel aus der Stadt fliehen. Eine Rakete traf das Gebäude des Frauenzentrums.
Zehntausende waren auf der Flucht. In einem Gebiet, das erst im Februar 2023 von den verheerenden Erdbeben verwüstet worden war. Die meisten Menschen dort leben heute in Zeltstädten oder einsturzgefährdeten Gebäuden. Millionen sind auf Hilfen angewiesen. Der Hunger ist groß und nimmt weiter zu, vor allem seitdem das Welternährungsprogramm aufgrund von Finanzierungslücken seine wichtigste humanitäre Unterstützung dort einstellen musste. Auch das ist ein Resultat der fehlenden internationalen Aufmerksamkeit für die Spirale des Leids, die sich in Syrien unaufhörlich weiterdreht.
Doch nicht nur im Nordwesten, auch im Nordosten ist die Bevölkerung nicht sicher: »Alle leben in ständiger Angst. Wer sein Haus verlässt, nimmt das Risiko in Kauf, zu sterben.« Diese Nachricht erreichte uns vor ein paar Monaten aus Qamishli. Dort arbeiten unsere Partner*innen im »PÊL Civil Waves Zentrum«. In den Gebieten der kurdischen Selbstverwaltung fielen Bomben, egal ob an Weihnachten oder zu Ramadan. Die Türkei führt dort ihren bereits vierten völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Ziel waren bisher vor allem die zivile Infrastruktur, darunter auch Kliniken und Wohngebäude. Der massive Drohnen- und Raketenbeschuss zerstörte außerdem Elektrizitätswerke, wodurch ganze Landstriche in den kalten Wintermonaten nicht mit Strom versorgt werden konnten.
Die Angst ist groß, dass die Türkei, wie in der Vergangenheit bereits geschehen, Gefängnisse mit IS-Kämpfern ins Visier nimmt. In Nordostsyrien gibt es mehrere Internierungslager mit Zehntausenden IS-Angehörigen, die meisten sind verschleppte Frauen und Kinder. Die Lage vor Ort ist chaotisch und unsicher – eine tickende Zeitbombe. Unter den Inhaftierten sind auch viele ausländische Staatsangehörige. Immer wieder fordert die Selbstverwaltung Staaten wie Deutschland erfolglos dazu auf, diese zurückzuholen. Vor allem mit Blick auf das erneute Erstarken des IS, international und in Syrien. Allein in diesem Jahr sind dort bereits mehrere Hundert Menschen durch die Terrororganisation ums Leben gekommen.
Doch nicht genug, dass die Situation in Syrien ignoriert wird. Die EU lügt sich munter in die eigene Tasche, während sie mit unsicheren Drittstaaten wie der Türkei und dem Libanon Milliardenschwere Flüchtlingsdeals aushandelt. In beiden Ländern sind syrische Geflüchtete staatlicher Diskriminierung ausgesetzt und werden bereits zwangsweise nach Syrien abgeschoben. Das Handeln der EU wird unter diesen Vorzeichen nur zu noch mehr Fluchtursachen und Leid führen. Die Festung Europa zeigt einmal mehr, wie hilflos sie dem Krieg in Syrien gegenübersteht.
Genau diese Hilflosigkeit und das Schweigen sind die wirksamsten Waffen der Kriegstreiber. Doch unsere Partner*innen stellen sich ihnen entgegen. Tag für Tag kämpfen sie gegen die Verzweiflung an und setzen sich dafür ein, dass die Menschen in Syrien ihre Würde wiedererlangen. Mit ihrem Engagement treten sie mutigen Schrittes heraus – aus dem Schatten.
PROJEKTE UND PARTNERINNEN
Projekte und Partner*innen, die wir im Jahr 2023 unterstützt haben
WOMEN SUPPORT & EMPOWERMENT CENTER IDLIB
Idlib-Stadt & Außenstellen im Al-Kana’es und Kafr Takharim Camp in Rif-Idlib
Gewalt und Diskriminierung sind in Syrien weit verbreitet. Es mangelt an Schutzräumen für Frauen. Die wirtschaftliche Notlage verschärft die Situation: Viele junge Mädchen werden aus der Schule genommen und früh verheiratet. Damit beraubt man sie ihres Rechts auf Bildung und Selbstbestimmung. Das Frauenzentrum Idlib stärkt Frauen seit über zehn Jahren durch Bildung, (juristische) Beratung und psychosoziale Unterstützung. Gründerin Huda Khaity hat bereits Hunderte Frauen dabei unterstützt, eine Ausbildung abzuschließen, eigene Unternehmen zu gründen und erfolgreich ihre Rechte vor Gericht zu verteidigen. Für ihre feministische Arbeit geraten die Aktivistinnen immer wieder ins Fadenkreuz von Extremisten. Trotzdem machen sie weiter und leisten auch in den umliegenden Camps Nothilfe. Sie helfen Frauen und Kindern dabei, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Mit Sensibilisierungskampagnen zu physischer und psychischer Gesundheit wollen sie nicht nur Krankheiten vorbeugen, sondern auch Akzeptanz in der Gesellschaft dafür schaffen.
Faten Rajab Frauenzentrum und Zentrum für Psychosoziale Unterstützung (PSS) Ariha und Azaz
Gleichberechtigung ist nur möglich, wenn Frauen wirtschaftlich unabhängig sind. Das Frauenzentrum Faten Rajab bietet Frauen jeden Alters Ausbildungen an und unterstützt sie dabei, die tief verwurzelten patriarchalen Strukturen der Gesellschaft herauszufordern. In Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden werden Frauen nicht nur über ihre Rechte aufgeklärt – sei es in Bezug auf körperliche Selbstbestimmung, politische Handlungsfähigkeit oder die autonome Gestaltung des sozialen Lebens –, sondern auch ermutigt, für diese Rechte einzutreten. Da insbesondere Frauen von den Auswirkungen der Erdbeben stark betroffen waren und sind, leistet das Team von Sawaedna bis heute humanitäre Nothilfe. Es unterstützt Frauen und Kinder dabei, ihre Traumata zu überwinden, damit sie nicht nur überleben, sondern auch ein erfülltes Leben führen können.
al-Bab & Azaz
Echte Freiheit gibt es in den türkisch besetzten Gebieten in Nordsyrien nicht. Mit dem Hooz-Zentrum haben Aktivistinnen einen Raum für offenen Austausch zu gesellschaftlichen Themen geschaffen. Die Gemeinschaft und das Gemeinwohl ist ihnen sehr wichtig: Im vergangenen Jahr errichteten sie u. a. ein Notcamp im stark vom Erdbeben betroffenen Jenderis und bauten Sanitäranlagen für die Bewohnerinnen auf. Heute beteiligen sie sich am Wiederaufbau, sammeln und verteilen Hilfsgüter, bereiten Mahlzeiten für Bedürftige zu, und helfen, das kollektive Trauma zu überwinden.
Salqin
Gemeinsam machen sich die Aktivistinnen von Change Makers gegen geschlechtsspezifische Gewalt und Diskriminierung stark. Gleiche Rechte für Männer und Frauen ist ihr Ziel. Angesichts der vielen weiblichen Binnenvertriebenen und Obdachlosen infolge des Erdbebens leistet das Team mittlerweile speziell feministische Nothilfe. Mehr als 800 betroffene Familien, das sind mehrere tausend Menschen, haben die Change Makers bereits versorgt. Neben humanitären Hilfsgütern verteilen sie auch Seife und Desinfektionsmittel an die bedürftigen Frauen. Denn neben diversen Viruserkrankungen wie Corona kämpfen die Bewohner*innen in den Notcamps mit Cholera und Parasiten wie Kopfläusen.
al-Atareb
Das zivile Zentrum Atareb bringt unter schwierigsten Bedingungen das zivilgesellschaftliche Leben Atarebs voran. Die Ziele: Austausch, Partizipation, politische Bildung – Milizenherrschaft und den anhaltenden Angriffen des Assad-Regimes zum Trotz. Immer wieder lehnen sie sich auch gegen die Herrschaft der radikal-islamistischen HTS auf. Das Zentrum hat sich aktiv an den aktuellen, weitreichenden Protesten in Idlib beteiligt, die sich gegen die HTS richten, um die Freilassung aller Gefangenen und umfassende Reformen zu fordern. Die Aktivist*innen lehnen das zentrale Verwaltungssystem sowie das Wirtschafts- und Gewaltmonopol ab, das die Dschihadisten etabliert haben. In der Vergangenheit
konnten sie bereits immer wieder Erfolge verbuchen, u. a. verbannten sie in Kooperation mit der Stadtverwaltung Waffen aus dem öffentlichen Raum.
Qamishli
Als das Assad-Regime die Revolution im Jahr 2011 brutal niederschlug, ahnten die drei Gründerinnen, dass sich die Situation besonders für Frauen und Kinder verschlechtern würde. Kurzerhand riefen sie das Frauenzentrum Sawiska nahe der türkischen Grenze ins Leben, das bis heute eine wichtige Institution für Frauen in der Region ist. Die Aktivistinnen unterstützen Betroffene von Vertreibung und Krieg. Das Zentrum fungiert als Anlaufstelle, Schulungsort und Basis für die zahlreichen Aktivistinnen, die von hier aus in entlegene Dörfer und Camps reisen, um Frauen lang- und kurzfristig zu unterstützen. Ein zentraler Aspekt ihrer Arbeit ist die ökonomische und rechtliche Stärkung von Frauen. Aber auch Themen wie der Klimawandel, der Frauen und andere vulnerable Gruppen hart trifft, werden bei Sawiska behandelt. Diese
Gruppen leiden mehr unter extremen Wetterbedingungen wie Hitzewellen oder Starkregen und werden deshalb besonders berücksichtigt.
PÊL CIVIL WAVES ZENTRUM
Qamishli, Hassaka, Tirbespi/al-Qahtaniyya, Raqqa
Trotz der türkischen Bombardierungen setzen sich die Aktivist*innen von PÊL seit Jahren dafür ein, durch politische und kulturelle Veranstaltungen das Miteinander von Einheimischen und Binnenvertriebenen zu verbessern und den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Besonderen Wert legen sie dabei auf die aktive Beteiligung von Jugendlichen und Frauen. Ihr Ziel ist es, eine Gesellschaft zu schaffen, in der sich alle füreinander einsetzen.
Saraqeb
Im Jahr 2013 starteten Aktivitst*innen in Saraqeb eine wöchentliche Zeitung, die Politik und Kultur in der Region Idlib beleuchtete. Heute gibt es sie weiterhin als Online-Ausgabe, doch das Leitmotiv der Redaktion bleibt unverändert: Ohne freie und transparente Medien keine freie, vielfältige und zivile Gesellschaft. Mit ihrer kritischen Berichterstattung über dschihadistische Milizen wie die HTS und andere bewaffnete Gruppen beweisen sie großen Mut.
Libanon: Beirut, Bekaa, Tripoli
Im Libanon herrscht ein gesellschaftliches und politisches Klima, das syrischen Geflüchteten feindlich und lebensbedrohlich gegenübersteht. Sie besitzen keine Bürgerrechte, oft kein Einkommen und leben größtenteils ohne festes Dach über dem Kopf. Auf den Straßen werden sie von Bürgerwehren gejagt, Tausende werden nach Syrien abgeschoben, wo sie verschwinden, verhaftet, gefoltert oder ins Militär eingezogen werden. Die letzte Unterstützung, die Syrerinnen im Libanon noch haben, sind Aktivistinnen wie die von Syrian Eyes. Diese müssen immer wieder neue Wege finden, um die syrischen Geflüchteten mit Grundbedarfsgütern wie Wasser, Lebensmitteln oder Heizmaterial im Winter zu versorgen. Diese Arbeit ist lebensnotwendig, aber untersagt. Weil auch eine medizinische Versorgung für die meisten Syrer*innen nicht gewährleistet ist, kümmert sie Syrian Eyes um Menschen, die dringend ärztliche Hilfe brauchen, sich diese aber nicht leisten können. Die Aktivist*innen verstehen sich dabei explizit nicht als »Organisation«, sondern als Netzwerk ohne Hierarchien mit Schwerpunkt auf Selbsthilfe.
DHOUAI AL HIMAM
Azaz und Umland
Aufgrund der gezielten Bombardierung von Zivilistinnen gibt es in Syrien inzwischen zahlreiche Kriegsverletzte mit bleibenden Behinderungen. In ihrem Alltag haben sie oft nicht nur mit Stereotypen zu kämpfen, sondern werden aufgrund von nicht gerecht gestalteter Infrastruktur systematisch aus dem Alltag ausgeschlossen. In der Stadt Azaz im Nordwesten Syriens haben sich deshalb Betroffene zusammengeschlossen und die Organisation »Dhaoui Alhumam« (zu Deutsch »Menschen mit Behinderung«) gegründet. Ihr Ziel: Gemeinsam mit Verbündeten für eine gesellschaftliche, ökonomische, politische und rechtliche Inklusion von Menschen mit Behinderungen eintreten. Dafür organisieren sie (Austausch-)Treffen mit lokalen Entscheidungsträgerinnen aus Zivilgesellschaft und Politik.
Inmitten der Erdbebenkatastrophe vergangenes Jahr half Dhaoui Alhumam auch jenen, die alles verloren hatten: Von Lebensmitteln über Medikamente bis hin zu Decken, Zelten, Brennmaterial und Matratzen organisierten und verteilten die Aktivist*innen alles Notwendige.
KAY LA YUMHA AL-ATHAR (kurz: KLYA)
Afrin und Umland
Seit 2018 steht der Kanton Afrin faktisch unter türkischer Besatzung, wodurch sich kaum zivile Strukturen etablieren konnten. Trotz der schwierigen Bedingungen bauten die Aktivistinnen von KLYA ein ehrenamtliches Frauennetzwerk sowie unauffällige Hilfestrukturen in der Region auf. Damit nimmt die Fraueninitiative eine Vorreiterrolle ein. Aber erst die internationale Aufmerksamkeit im Zuge der Erdbeben im Februar 2023 ermöglichte KLYA offiziell und hauptamtlich tätig zu werden. Seitdem sorgen sie dafür, dass Frauen ihre Rechte kennen oder ökonomisch unabhängig werden, indem sie diese ausbilden. Außerdem leisten die Aktivistinnen Nothilfe für Frauen in dem von den Beben am stärksten betroffenen Kanton Afrin. In Gruppensitzungen vermitteln sie außerdem effektive Bewältigungsstrategien an Frauen und Kinder, damit sie mit den psychischen Belastungen umgehen lernen. Diese Programme wurden von erfahrenen Psycholog*innen entwickelt.
Schattenprojekte
Südsyrien
Aktivismus und politische Opposition sind in Assads Syrien mit erheblichen Risiken verbunden. Aktivist*innen drohen Verhaftungen, Folter und weitere brutale Formen von Repression. Über hunderttausend Menschen werden vermisst, Zehntausende sind bereits in Assads Foltergefängnissen zu Tode gekommen. Und die Opferzahlen werden weiter steigen. Trotzdem organisieren sich Menschen im Geheimen, bilden sich weiter zu Möglichkeiten des gewaltfreien Widerstands und dokumentieren Menschenrechtsverbrechen und Erinnerungen an die syrische Revolution aus der Sicht der »einfachen« Menschen. An einigen Orten gibt es auch weiterhin kleinere und größere öffentliche Proteste.
SYRIANS FOR TRUTH & JUSTICE
syrienweit
Menschenrechtsverbrechen werden in allen Gebieten Syriens begangen. Die Organisation Syrians for Truth & Justice dokumentiert akribisch Einzelfälle und setzt sich für die Aufklärung dieser Verbrechen ein. Ihr Fokus liegt dabei auf dem Norden Syriens. Die Aktivist*innen suchen Zeug*innen auf, sammeln alle verfügbaren Belege und tragen so viele stichhaltige Beweise wie möglich zusammen. Die gesammelten Informationen geben sie an die zuständigen Stellen der Vereinten Nationen weiter, damit Menschenrechtsverbrechen offiziell aufgeklärt und geahndet werden können. Gleichzeitig analysiert das Team die direkten Auswirkungen internationaler Vereinbarungen und ausländischer Interventionen auf die syrische Bevölkerung.
HUMAN RIGHTS GUARDIANS
syrienweit
Auch das Team von Human Rights Guardians setzt sich mit aller Kraft dafür ein, dass die Verbrechen in Syrien nicht ungesühnt bleiben. Die Anwältinnen und Rechercheurinnen in ganz Syrien sammeln und archivieren deshalb Einzelfälle der über 100.000 in Haftzentren oder an Checkpoints verschwundenen Menschen. Die gesammelten Informationen geben sie an die zuständigen Stellen der Vereinten Nationen weiter, um auf diese Weise zur Aufklärung des Schicksals der Verschwundenen beizutragen.
ANBAR ZENTRUM
Afrin und Umland
Die Lebenssituation in Afrin ist für alle Menschen, insbesondere aber für die kurdische Bevölkerung sehr schlecht und von Repression, Isolation und Schikane durch die von der Türkei finanzierten syrischen Milizen geprägt. Aktivist* innen haben deshalb das zivile Zentrum Anbar gegründet, um sichere, diskriminierungsfreie Räume zu schaffen. Besonders Kinder und Jugendliche verschiedener Bevölkerungsgruppen sollen sich hier frei von Angst und Vorurteilen begegnen, kennenlernen, austauschen, vernetzen und zusammenarbeiten. Aber auch alle anderen Altersstufen sind willkommen. Die Aktivistinnen wollen so aktiv den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Seit den Erdbeben leistet das Anbar-Zentrum außerdem psychosozialen Support sowie dringend benötigte Nothilfe für die Überlebenden in den Camps. Ihre Hilfe ist unabhängig und diskriminiert nicht, wie die türkischen und protürkischen Akteurinnen vor Ort.
RAMADAN-KITCHEN
Change Makers, KLYA, Anbar Zentrum
Für viele syrische Musliminnen ist der Fastenmonat Ramadan kaum von den restlichen Monaten im Jahr zu unterscheiden – Hunger ist ihr ständiger Begleiter. Da die Menschen in den Zeltcamps oft mental und körperlich erschöpft sind und darüber hinaus kaum Möglichkeiten haben selbst zu kochen, haben mehrere unserer Partnerinnen Ramadan-Küchen ins Leben gerufen. Sie bereiten täglich frische Mahlzeiten zu, die sie an die Bedürftigen in den Camps verteilen. So ermöglichen sie ihnen ein nahrhaftes und festliches Fastenbrechen im heiligen Monat. Ganz im Sinne des Ramadans, in dem Solidarität mit jenen an vorderster Stelle steht, die nichts haben.
ADOPT A REVOLUTION IN ZAHLEN
Trauriges Rekordjahr in 2023
Im vergangenen Jahr erreichten die Spenden aufgrund des Erdbebens im Februar einen absoluten
Höchststand. Dadurch konnten wir in dieser Katastrophensituation viermal so viel Geld nach Syrien
schicken wie sonst und unsere Partnerinnen bei der Nothilfe unterstützen. Das Jahr 2023 haben wir mit einem großen Gewinn abgeschlossen. Allerdings sind diese Gelder größtenteils für Erdbebenprojekte eingeplant, da die Auswirkungen des Bebens noch lange spürbar sein werden. Darüber hinaus bekamen wir 2023 Fördergelder – in absteigender Reihenfolge – von: medico international, Volkshilfe Solidarität, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, Heinrich-Böll-Stiftung, Fonds Sauerteig, Action for Hope, Brot für die Welt, Heidehof Stiftung, Stiftung Nord-Süd-Brücken, Bewegungsstiftung.
Ohne unsere Spender*innen, Förder*innen und Unterstützer*innen könnten wir unsere Arbeit nicht machen. Daher gilt ihnen allen unser großer Dank!
STIMMEN UNSERER PARTNERINNEN
ADOPT A REVOLUTION IN AKTION
Wieviel Revolution steckt noch in Adopt a Revolution?
2011 strömten in Syrien die Menschen auf die Straße, um Demokratie für sich einzufordern – die Geburtsstunde von Adopt a Revolution.
Als deutsch-syrische Solidaritäts- und Menschenrechtsorganisation unterstützten wir damals die mutigen syrischen Aktivist*innen, die sich für eine demokratische, pluralistische syrische Gesellschaft sowie für Gerechtigkeit und Freiheit einsetzten. Jene, die Straßenblockaden errichteten, um Menschen vor der Gewalt des Regimes zu schützen. Jene, die die Proteste und deren blutige Niederschlagung dokumentierten und filmten. Jene, die sich unermüdlich für eine bessere Zukunft einsetzten – oft aus dem Untergrund, um der tödlichen Verfolgung durch den Überwachungsstaat zu entgehen. Der Gedanke der Revolution lebt bis heute in allen Regionen Syriens weiter, doch der Kampf um Demokratie hat sich von der offenen Straße in den Schatten verlagert. Auch wenn derzeit in einigen Regionen die Proteste von einst wiederaufleben, die Spielräume sind enger geworden: Neben dem Assad-Regime versuchen bewaffnete Gruppen und lokale Machthaber, der Bevölkerung ihre eigenen Vorstellungen und Ideologien aufzuzwingen, anstatt sie demokratisch zu verhandeln. Unsere Partnerinnen setzen sich auch heute noch unermüdlich im Kleinen und Großen für ein Leben in Freiheit und Würde ein. Wir werden sie mit Ihrer Hilfe weiter unterstützen.
AUSBLICK
Unterstützen Sie uns und die syrische Zivilgesellschaft!
Syrische Aktivist*innen streiten für eine gerechte Gesellschaft ohne Unterdrückung durch Diktatur, Fundamentalismus und Patriarchat und leisten gleichzeitig Nothilfe für die Vertriebenen und Erdbebenopfer. Helfen Sie mit und stärken Sie diese Arbeit mit Ihrer Spende!