Gefangene
Die syrischen Geheimdienste haben Zehntausende Menschen inhaftiert, gefoltert und ermordet, rund 100.000 Menschen gelten bis heute als verschwunden. Auch viele aufständische Gruppierungen haben Menschen verschleppt.
„Die Zeit muss kommen, in der die Verbrecher sich umdrehen müssen, wenn sie das Haus verlassen.“
Am 9. August 2018 wurde Martin Lautwein nach 48 Tagen aus dem syrischen Folterknast entlassen. Auch vier Jahre später kämpft Martin mit dem Erlebten, aber vor allem mit dem Mangel an politischen Konsequenzen. Besonders wütend macht ihn der Anblick der geöffneten syrischen Botschaft in Berlin.
Kommentar: Eine Amnestie als Drohgebärde
Das Assad-Regime entlässt überraschend Inhaftierte aus seinen Foltergefängnissen. Die Amnestie erfolgte kurz nachdem ein Video über das Tadamon Massaker internationale Aufmerksamkeit erregt hat. Die Amnestie wird von vielen als Ablenkungsmanöver interpretiert - und als Drohung.
„Es mangelt an politischem Mut!“
Am 13. April befasste sich der UN-Sicherheitsrat mit sexualisierter Gewalt in Kriegen und Konflikten. Unsere langjährige Mitarbeiterin Mariana Karkoutly hat in New York vor dem Gremium zur Situation in Syrien gesprochen und nimmt seine Mitglieder in die Pflicht. Wir übersetzen ihre ergreifende Rede in leicht gekürzter Form ins Deutsche.
Einzeltäter im syrischen Foltersystem
Beim Verfahren gegen den mutmaßlichen „Folterarzt“ Alaa M. wittert der Angeklagte ein Komplott gegen ihn. Doch unter welchen Bedingungen geschehen Grausamkeiten, wie jene, von denen die Zeug*innen berichten? Wie hängen sie mit der systematischen Unterdrückung durch das Assad-Regime zusammen? Ein Hintergrund.
Urteil in Koblenz: Ein erster, winziger Schritt
Das Oberlandesgericht Koblenz hat den ehemaligen syrischen Geheimdienstoffizier Anwar R. wegen tausendfacher Folter, Dutzenden Morden und sexualisierter Gewalt zu lebenslanger Haft verurteilt. Erstmals wird damit ein höherer Offizier des Assad-Regimes wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit belangt. Wie bewerten Syrer*innen das Urteil und den Prozess?
„Dónde están?“ – Wo sind sie?
Das Verschwindenlassen gehört zu den perfidesten Methoden, die Diktaturen anwenden, um den Widerstand ihrer politischen Gegner zu brechen. Die meisten von ihnen tauchen nie wieder lebend auf. Sie werden verhaftet, gefoltert, ermordet und ihre Leichen an geheimen Orten verscharrt. Es handelt sich nicht um geheime Morde; sie werden begangen mit der Absicht, sie zu vertuschen und ihre juristische Aufklärung zu erschweren oder gar zu verhindern. Denn mit dem Verschwinden der Körper verschwinden auch die Beweise.
#FreeKhaledDrareni
Politisch war 2020 ein gutes Jahr für Algerien: Im April trat Bouteflika zurück. Aber der Fall von Khaled Drareni zeigt beispielhaft , dass der Abtritt des greisen Diktators für Algerien noch lange nicht das Ende des „System Bouteflika“ bedeutet.
Der Folter in Syrien entkommen: „Ich lebe jeden Tag in dem Wissen, dass ich nur aufgrund meines deutschen Passes nach Hause gekommen bin.“
Martin Lautwein saß 48 Tage in einem syrischen Foltergefängnis. Jetzt schließt er sich der Klage gegen Folterer des Assad-Regimes an - und geht mit seinen Erlebnissen an die Öffentlichkeit. Hier begründet er seinen mutigen Schritt und weist darauf hin, dass andere noch immer und noch viel mehr unter der Gewalt in Syriens Gefängnissen leiden. Ein Statement.
System Assad: Willkür ist kein Bug, sondern ein Feature
Das Assad-Regime und seine russischen Verbündeten verbreiten international, Syrien sei wieder sicher und Geflüchtete könnten zurück. Tatsächlich wagen nur wenige die Rückkehr – aus Furcht vor Willkür und Verfolgung. Ein neuer Bericht des SNHR unterstreicht: Diese Furcht ist begründet.
„Der UN-Sicherheitsrat hat bei den syrischen Häftlingen und ihren Familien völlig versagt!“
Am 7. August befasste sich der UN-Sicherheitsrat das erste Mal mit den derzeit knapp 100.000 veschwundenen Menschen in Syrien. Hala Al-Ghawi und Amina Khoulani von Families For Freedom haben in New York vor dem Gremium gesprochen. Wir haben die ergreifende Rede ins Deutsche übersetzt.
